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Ausbilder werden: Alle Infos, Voraussetzungen, Aufgaben & Pflichten

Ausbilder im Handwerk sind gefragter denn je! Wir verraten Ihnen was es braucht, um ein erfolgreicher Ausbilder zu werden.



Falls Sie selbst mit dem Gedanken liebäugeln, Ausbilder im Handwerk zu werden, sich aber noch nicht zu 100 % im Klaren darüber sind, dann haben Sie den perfekten Beitrag gefunden. Wir verraten Ihnen nicht nur die wichtigsten Voraussetzungen, Aufgaben und Pflichten, um ein erfolgreicher Ausbilder zu werden, sondern zeigen auf, warum es sich um eine erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit handelt.

1. Der Ausbilderschein

Starten wir direkt mit dem Wichtigsten - dem Ausbilderschein (Kurzform: AdA-Schein)! Er befähigt Sie dazu, Lehrlinge zu führen, zu bilden und bewusst zu fördern. Außerdem ist er der Nachweis dafür, dass Sie die Ausbildung der Ausbilder erfolgreich absolviert haben.

Mit dem AdA-Schein haben Sie große Chancen, in Ihrem Betrieb aufzusteigen oder eine höhergestellte und auch besser bezahlte Stelle in einer anderen Firma zu erwerben.

Kosten & Dauer des Ausbilderscheins im Handwerk

Kosten und Dauer für den AdA-Schein sind abhängig von der jeweiligen Region der Handwerkskammer. Bei der Bildungsakademie der Handwerkskammer Region Stuttgart erwarten Sie folgende Kosten und Lehrzeiten:

  • Preis: 749 €
  • Prüfungsgebühr: 150 €
  • Dauer: 120 Unterrichtseinheiten (1 UE = 45 Min.)

Weitere Infos zum Ausbilderschein in unserer Region finden Sie unter folgendem Link: Vorbereitung auf Ausbildereignungsprüfung (AdA)

Hinweis: Um Preise und Dauer für Ihre Region herauszufinden, wenden Sie sich bitte an die jeweilige Handwerkskammer.

Voraussetzungen für den Ausbilderschein

Damit Sie die Ausbildung der Ausbilder absolvieren dürfen, muss zwingend folgende Hauptvoraussetzung erfüllt sein:

  • Abgeschlossene Berufsausbildung in dem Beruf, in dem Sie Lehrlinge ausbilden möchten.

Wichtig: Der Ausbilderschein ist Teil der Ausbildung zum Meister. Dies ist der Grund, warum die meisten Ausbilder gleichzeitig Meister sind. Allerdings ist es auch möglich, die Ausbilderprüfung unabhängig von der Meisterprüfung zu absolvieren. Ein Meistertitel ist daher keine zwingende Voraussetzung, um Ausbilder zu werden (auch, wenn dies oft angenommen wird).

Aufbau der Ausbildung zum Ausbilder

Die Ausbildung zum Ausbilder erstreckt sich auf die folgenden vier Handlungsfelder:

  1. Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  2. Ausbildung vorbereiten und bei der Wahl der Azubis unterstützen
  3. Ausbildung durchführen
  4. Ausbildung abschließen

Es wird also nicht nur vermittelt, wie man vorhandenes Wissen weitergibt, sondern wie eine Ausbildung geplant wird, wie man die richtigen Azubis findet, welche Inhalte wichtig sind, wie die Abstimmung mit den Berufsschulen abläuft, welche Ausbildungsmethoden geeignet sind, wie die Probezeit organisiert wird und vieles, vieles mehr.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Ausbildung ist eine gewisse pädagogische Kompetenz im Umgang mit den einzelnen Lehrlingen. Unter anderem werden die folgenden bedeutenden Fragen im Rahmen des Ausbilderscheins ausführlich geklärt:

  • “Wie unterstütze ich sie am besten im Lernprozess?”
  • “Wie verhalte ich mich im Umgang mit ihnen?”
  • “Wie fördere ich die soziale und persönliche Entwicklung des Lehrlings?”

Die genauen Infos und Inhalte zu den einzelnen Handlungsfeldern entnehmen Sie diesem Beitrag: Vorbereitung auf Ausbildereignungsprüfung (AdA)

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Bildungsakademie HWK Stuttgart ÜBA
HWK

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Prüfung zum Ausbilderschein

Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus zwei Teilen:

  1. Schriftlicher Teil:
    Zeit: Drei Stunden
    Art: Offene und Multiple-Choice-Fragen
    Know-How: Alle vier Handlungsfelder werden abgefragt
  2. Praktischer Teil:
    Dauer: ca. 30 Minuten
    Art: Simulation einer Ausbildungssituation + Fachgespräch

Beide Teile gelten als bestanden, sobald jeweils 50 % der Maximalpunktzahl erreicht wurden.

Hinweis 1: Die Ausbildereignungsprüfung wird auch AEVO abgekürzt. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie diesen Begriff in diesem Zusammenhang öfters lesen.

Hinweis 2: Unter dem folgenden Link finden Sie ein hilfreiches YouTube-Video mit beispielhaften Fragen zum Fachgespräch der Prüfung: AEVO - Fragen Fachgespräch



2. Aufgaben als Ausbilder im Handwerk

Eines ist klar: Als Ausbilder im Handwerk erwartet Sie eine spannende und vielfältige Tätigkeit im direkten Austausch mit oft jungen Menschen. Einen Teil der möglichen Aufgaben haben wir ja bereits weiter oben im Abschnitt “Aufbau der Ausbildung” erwähnt, dennoch möchten wir auch hier weitere spezifische Aufgabenbereiche nennen:

  • Betrieblichen Ausbildungsplan erstellen
  • Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten
  • Vermittlung theoretischen Wissens
  • Erstellung des Ausbildungsvertrages
  • Auswahl der richtigen Lehrlinge
  • Wahl der passenden Ausbildungsmethoden
  • Betriebliche Leistungen der Lehrlinge bewerten
  • Arbeits- bzw. Lehrgangszeugnisse verfassen
  • Pädagogische Arbeit leisten
  • Azubis über mögliche Weiterbildungen informieren
  • Unterstützung bzw. Vorbereitung auf die Gesellenprüfung
  • etc.

Wie Sie sehen, ist die Liste an Aufgabenbereichen wirklich lang und könnte noch unendlich weitergeführt werden. Langweilig wird es Ihnen als Ausbilder also definitiv nicht.

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3. Vorteile in der Arbeit als Ausbilder

Die Arbeit als Ausbilder in einem Handwerksbetrieb bringt einige wichtige Vorteile mit sich, die wir Ihnen an dieser Stelle nicht verheimlichen möchten.

Großartige Karrieremöglichkeiten: Der Fachkräftemangel hat zur Folge, dass immer mehr junge und noch unerfahrene Menschen ausgebildet werden müssen. Gleichzeitig steigt somit auch der Bedarf an hochwertigen Ausbildern. Außerdem ist die Arbeit als Ausbilder ein hervorragender Pluspunkt in Ihrem Lebenslauf, um irgendwann eine noch höhere Position anzustreben. Besonders Führungspositionen werden oft durch ehemalige Ausbilder besetzt, da diese bereits Erfahrung im Führen und Leiten von Menschen mit sich bringen.

Erfüllende Tätigkeit: Ja, der Job als Ausbilder ist ein Job, der vielen Menschen Erfüllung und Spaß bringt. Ist es nicht großartig, junge Personen in einem wichtigen Lebensabschnitt tagtäglich zu begleiten und ihnen den richtigen Weg zu weisen? Außerdem können Sie sich der Dankbarkeit ihrer Azubis sicher sein, falls sie in Ihnen nicht nur den “Ausbilder”, sondern sogar einen Ansprechpartner sehen, der immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Schützlinge hat. Übrigens: Als Ausbilder tragen Sie sogar einen bedeutenden Teil zu unserer Gesellschaft bei, da gut ausgebildete Fachkräfte extrem wichtig für den Wohlstand und das Ansehen jeder Nation sind.

Abwechselnde & individuelle Tätigkeit: Die Arbeit als Ausbilder ist ein unglaublich facettenreiches Berufsfeld. Zum einen warten die bereits öfters erwähnten unterschiedlichen Aufgaben auf Sie, zum anderen haben Sie es immer wieder mit anderen bzw. neuen Azubis zu tun, die alle unterschiedliche Persönlichkeiten mitbringen. Je nach Lehrling ist also Individualität gefragt, die Sie Jahr für Jahr vor neue spannende Herausforderungen stellen wird. Auch die richtige Kommunikation ist daher eine essentielle Säule im Umgang mit den einzelnen Schülern.

Ansehen im Unternehmen: Keine Frage, Ausbilder zählen seit jeher zu den angesehensten Personen in einem Unternehmen. Jeder weiß, dass Ausbilder maßgeblich zu einer rosigen Zukunft des Unternehmens beitragen können, indem sie erstklassige Fachkräfte entwickeln, die nach der Ausbildung auch weiterhin im Unternehmen bleiben möchten. Außerdem kosten gut ausgebildete Lehrlinge zu Beginn viel weniger Geld, da sie oft nach ein oder zwei Jahren wie echte Fachkräfte mithelfen können, ohne das gleiche Gehalt zu beziehen.



4. Persönliche Voraussetzungen an Ausbilder

Ausbilder sollten nicht nur fachliches Know-How und pädagogisches Wissen mitbringen, sondern auch über sehr wichtige persönliche Voraussetzungen verfügen. Die folgenden Bedingungen sind essentiell und entscheiden, ob ein Ausbilder langfristig in seiner Tätigkeit erfolgreich sein wird.

Leben Sie vor!

Sie müssen Ihren Lehrlingen vorleben, was sie vermitteln. Nur so können Sie die Leidenschaft für ein bestimmtes Thema auch wirklich transportieren. Azubis müssen das Gefühl bekommen, dass ihr “Lehrer” Freude an seiner Arbeit empfindet und zu 100 % hinter seinem Job steht. Ein Ausbilder, der dagegen den Eindruck erweckt, dass ihn seine Arbeit unglaublich langweilt, wird nie wirklich erfolgreich werden und auch keine hochkarätigen Azubis ausbilden.

Spaß an der Arbeit mit jungen Menschen

Dieser Punkt wird leider oft unterschätzt, da viele zukünftige Ausbilder noch nie zuvor mit jungen Menschen gearbeitet haben. Ein Umstand, der vor allem zu Beginn durchaus herausfordernd sein kann, da speziell Teenager und junge Erwachsene oft eine etwas andere Lebenseinstellung an den Tag legen.

Unser Tipp dazu: Gehen Sie gedanklich in Ihre Jugend zurück und rufen Sie sich Ihre damaligen Werte in den Kopf. So können Sie junge Azubis leichter und besser verstehen. Außerdem ist es hilfreich, sich selbst zu fragen, was man vor vielen Jahren als Azubi gebraucht hätte, um mehr Freude an der Arbeit zu finden. Fakt ist: Je mehr Spaß ihre Lehrlinge an ihrer Arbeit haben, umso mehr Freude werden auch Sie in Ihr Arbeitsleben ziehen.

Gute Nerven

So viel Freude die Arbeit als Ausbilder bereiten kann, so anstrengend kann Sie manchmal auch sein. Nicht jeder Azubi entpuppt sich als der Glücksgriff, für den man ihn nach dem Bewerbungsgespräch gehalten hat. Umso wichtiger ist es auch in dieser Situation die Nerven zu behalten und sich davon nicht langfristig beeinträchtigen zu lassen.

Freund & Chef spielen

Passend dazu ist es wichtig, eine Haltung einzunehmen, die je nach Bedarf zwischen Chef und Freund wechselt. Ja, es ist definitiv angebracht, auch mal strenge Worte zu verteilen. Speziell wenn ein oder mehrere Lehrlinge immer wieder aus der Reihe tanzen und noch nicht verstanden haben, dass die Schulzeit vorbei ist. Allerdings dürfen Sie auch gerne mal wie ein Freund zur Seite stehen und sich die Probleme Ihrer Schützlinge anhören oder sich einen Spaß erlauben. Schließlich sehen sie Sie öfters als die meisten anderen Menschen in ihrem Leben. Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen, damit die Azubis gerne zu Ihnen in die Arbeit kommen und sich noch mehr engagieren.

Streng, nicht böse!

Wir kennen sie sicher alle: Ausbilder, die mürrischer sind als Bud Spencer. Ausbilder, denen man bereits aus 10 Kilometern Entfernung die fehlende Freude am Job ansieht. Ausbilder, die gerne mal cholerische Anfälle haben und Azubis durch die ganze Halle jagen. Ganz ehrlich: Sollten Sie sich davon angesprochen fühlen, suchen Sie sich bitte einen anderen Job und werden sie kein Ausbilder. Strenge ist nicht mit Bosheit gleichzusetzen. Ja, sie sollten bestimmend und klar auf ein Problem hinweisen und dieses mit Autorität aus der Welt schaffen. Sie sollten allerdings nicht andere Menschen vor der gesamten Belegschaft völlig respektlos erniedrigen. Möchten Sie selbst so behandelt werden? Falls die Antwort “Nein!” lautet, dann lassen Sie es bitte sein.

Hohe Verantwortungsbereitschaft

Menschen zu führen und ihre Entwicklung voranzutreiben, geht immer mit einem großen Maß an Verantwortung einher. Auch wenn dies im ersten Moment ein wenig “übertrieben” klingen mag, sind Sie als Ausbilder maßgeblich dafür verantwortlich, die nach uns kommende Generation in die richtige Richtung zu lenken und somit die Zukunft von uns allen in einem kleinen Teil mitzugestalten. Jeder gut ausgebildete Azubi ist eine Bereicherung für die gesamte Welt. Egal ob er am Ende in Ihrem Betrieb bleibt oder sich vielleicht sogar dazu entscheidet, als Handwerker eine gemeinnützige Organisation im Ausland zu unterstützen.



5. Fazit zum Thema “Ausbilder werden im Handwerk”

Fassen wir am Ende dieses Textes die wichtigsten Infos noch mal zusammen:

  • Nur mit dem Ausbilderschein darf man andere ausbilden.
  • Um Ausbilder werden zu dürfen, benötigt man eine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Die Ausbildung zum Ausbilder ist in vier Handlungsfelder aufgeteilt.
  • Die Prüfung zum Ausbilder besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil.
  • Die Aufgaben als Ausbilder sind vielfältig und abwechslungsreich.
  • Ausbilder haben unterschiedliche Vorteile wie große Karrierechancen, ein hohes Ansehen im Unternehmen, eine bessere Bezahlung und eine erfüllende Tätigkeit.
  • Um Ausbilder zu werden, bedarf es einiger persönlicher Voraussetzungen, die Ihnen und Ihren Lehrlingen die Arbeit deutlich erleichtern.

Am Ende des Tages ist die Position eines Ausbilders im Handwerk sicher nicht für jeden das Richtige, da sie mit großer Verantwortung einhergeht und der menschliche Kontakt mit jungen Menschen im Vordergrund steht. Sollten Sie sich mit den angesprochenen Infos allerdings identifizieren können, wird Sie ganz sicher eine tolle Tätigkeit in einer zukunftsträchtigen Branche erwarten!



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